Eine Insel der Kirchen
An fast jeder Ecke der Innenstadt von Visby steht eine mittelalterliche Kirchenruine. Auch auf dem Land gibt es in jedem Ort Kirchen. Warum gibt es auf Gotland eigentlich so viele Kirchen? Und wie sah das religiöse Leben der Gotländer aus während des Mittelalters?
Der Gutesage nach führte der norwegische Heiligenkönig Olov das Christentum auf Gotland ein. Er befand sich auf der Flucht und ging bei Akergarn an Land (Akergarn = Sankt Olofsholm in Hellvi). Ein Mann namens Ormika nahm die neue Lehre von Olov entgegen und baute ein Gebetshaus. Damals waren die Guten ein bereistes Volk. Gotländische Kaufleute kannten die christlichen Bräuche von ihren vielen Reisen. Als Olov nach Gotland kam, gab es unter den Guten wahrscheinlich schon einige Anhänger des christlichen Glaubens. Im 11. Jahrhundert verdrängte der christliche Glauben den Glauben an die alten Götter.
Die große Blütezeit
Die ersten Kirchen waren wahrscheinlich Hofkirchen, die von reichen Familien auf ihren Gütern errichtet wurden. Deise Kirchen waren einfache Holzhäuser und standen auf alten Kultstellen. Als das Christentum sich auf Gotland im 12. Jahrhundert etabliert hatte, begann man, größere Kirchen aus Stein zu errichten. Die Zeit des großen Kirchenbaus fiel mit Gotlands Blütezeit zusammen.
Die Innengestaltungen der Kirchen waren prunkvoll. Sie waren ausgestattet mit Triumpfkreuz, Hochaltar, Seitenaltar, Wandgemälden, Glasbemalungen und Skulpturen. Mit der Entstehung der Kirchen entstand auch eine neue lokale Einheit, die Gemeinde. Die Mitglieder einer Gemeinde besuchten dieselbe Kirche.
Der Glaube im Alltag
Auch im Alltag wurde viel gebetet. Auf vielen Höfen wurden Kreuze errichtet. Zu bestimmten Anlässen zogen die Menschen mit dem Prozessionskreuz um die Kirche. Der Bischof residierte in Linköping und kam höchstens einmal in drei Jahren nach Gotland zur Kirchweihe, Konfirmation und Priesterweihe.
Bettelmönche und prunkvolle Kloster
Auch Kloster gehörten zum mittelalterlichen Leben dazu. Die Zisterziensermönche errichteten eine stattliche Klosteranlage in der Gemeinde Roma. Sie nannten sie Gutnalia. In Visby stand ein Zisterzienserkloster für Nonnen. In Santa Katarina in Visby lebten Franziskanermönche, in Sant Nicolai gab es Dominikanermönche.
Ein aktives Kirchenleben
Auf den Strassen Visbys drängten sich ausländische Kaufleute, Seemänner, Mönche, Nonnen, Ritter und Ratsleute aber auch Bauern, Handwerker und Bettler.
Die Kirchen in der Stadt standen dicht beieinander. Außerhalb der Ringmauer standen das Sankt Görans Krankenhaus und die Sankt Görans Kirche. Innerhalb der Mauer stand die Helge Ands Kirche. Die Klosterkirchen Sankt Nikolai und Santa Katarina überragten die Hausdächer der Stadt. Sankt Drotten, Sankt Olov, Sankt Per, Sankt Hans, Sankt Klemens und Sankt Lars waren Gemeindekirchen. Darüber hinaus existierten mehrere Faktoreikirchen, die ausländischen Kaufmannsverbänden gehörten. Eine dieser Kirchen war Santa Maria, die Kirche der Visbydeutschen, die später Gemeindekirche wurde und heute der Dom von Visby ist.
Auf tausendjährigem Boden
Mit unverkennbarem mittelalterlichen Charme erheben die gotländischen Heiligtümer ihre Türme gen Himmel. Jedes Jahrhundert hat seine Spuren in Bemalung, Altaraufsätzen, Kanzeln, Bänken und Orgeln hinterlassen. Obwohl sich die Gottesdienste im Laufe der Jahrhunderte verändert haben, gleicht er doch noch immer jenem, der vor fast tausend Jahren im Mittelalter gefeiert wurde.
Die Kirchen heutzutage
In jeder gotländischen Kirche wird noch heute Gottesdienst gefeiert. Die Kombination aus Geschichte und Gegenwart lässt dabei niemanden unberührt. Man fühlt förmlich die Spannung zwischen Kunst und Architektur der verschiednen Zeitepochen.
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